Dichtheitsprüfung

Dichtheitsprüfung: Warum überhaupt eine Dichtheitsprüfung?

Dichtheitsprüfung ist ein Begriff, den in der letzten Zeit wohl die meisten Hausbesitzer
einmal gehört haben. Doch was man genau unter der Dichtheitsprüfung versteht, wissen wohl nur wenige. Viele Hausbesitzer erschrecken vor diesem Begriff, da sie die Befürchtung haben, dass durch die neue Gesetzgebung, die Dichtheitsprüfungen bundesweit vorschreibt, immense Kosten auf sie zukommen. Nur wenige wissen, dass die Dichtheitsprüfung ihnen auch Vorteile verschaffen kann, da sie Schäden früh aufdeckt und so spätere Sanierungen, die in den meisten Fällen sehr kostspielig wären, zu verhindern hilft.

Erste Untersuchungen und Erfahrungen aus den bisher durchgeführten Dichtigkeitsprüfungen haben ergeben, dass etwa 93 % aller Abwasserleitungen undicht sind. In diesen 93 % sind bereits die neugebauten Eigenheime und anderen Immobilien mit erfasst, was die Sache besonders erschreckend machen dürfte.

Da die Wahrscheinlichkeit also recht hoch ist, dass das eigene Haus ebenfalls von einer undichten Stelle im Abwassersystem betroffen ist, empfiehlt es sich, rechtzeitig die Dichtigkeitsprüfung zu absolvieren, um sich die notwendigen Rücklagen für eine Sanierung zuzulegen, bevor die Sanierung gesetzlich vorgeschrieben wird.

Nach § 18b des Wasserhaushaltsgesetzes ist bundesweit eine Erstprüfung bis zum 31.12.2015 vorgeschrieben.
Daher müssen aller Hausbesitzer bis zu diesem Zeitpunkt Dichtigkeitsprüfungen durchführen. Wenn diese bestanden wird, ist sie 20 Jahre lang gültig, so dass der Hausbesitzer über einen längeren Zeitraum hinweg keine weiteren Maßnahmen durchführen muss. Mit Beginn des Jahres    2016 benötigt man für jedes Grundstück einen Dichtigkeitsnachweis der dazugehörigen Abwasseranlagen und der Abwasserleitungen.

Die Dichtigkeitsprüfung soll undichte Stellen in der Abwasserleitung des Hauses aufdecken. Dabei wird der Bereich untersucht, der sich zwischen der Stelle liegt, an der die Abwasserleitung das Gebäude verlässt und dem Punkt, an dem sie in den öffentlichen Abwasserkanal übergeht. Dabei wird durch eine computergesteuerte Drucküberprüfung getestet, ob eine undichte Stelle vorliegt. Im Laufe der Jahre ist jede Abwasserleitung vielen Belastungen ausgesetzt.

Dichtheitsprüfung: Vorarbeiten

Der Verfahrensablauf einer Dichtheitsprüfung findet normaler Weise in drei Schritte statt. Reinigung. TV- Inspektion und schließlich die eigentliche Dichtheitsprüfung mit Wasser oder Luft.

Nach der Reinigung des Leitungsnetzes kann die TV-Inspektion der Abwasserleitung erfolgen. Schon dieser Arbeitsschritt liefert unter Umständen stichhaltige Anhaltspunkte zur Undichtigkeit einer Abwasseranlage.

Sollte die TV- Inspektion Schäden wie Rohrbruch, Boden sichtbar, eindringendes Bodenmaterial oder Infiltration ans Tageslicht fördern, ist eine Sanierung der Anlage unumgänglich. Eine Dichtheitsprüfung ist zu diesem Zeitpunkt überflüssig, da schon die TV-Inspektion eine Undichtigkeit festgestellt wurde. In diesem Fall wird erst nach der Sanierung der Abwasseranlage die Dichtheitsprüfung als abschließender Check durchgeführt.

Ablauf der Dichtheitsprüfung

Bei einer Dichtheitsprüfung wird der Abfluss des Abwasserrohres abgedichtet, so dass dort kein Wasser mehr austreten kann. Anschließend wird das Rohr unter Druck gesetzt. Dies kann entweder mit Wasser oder mit Luft geschehen. Der Druck wird mit speziellen Sensoren gemessen und mit einem Computer werden die Daten schließlich ausgewertet. Durch die Messdaten kann errechnet werden, ob sich eine undichte Stelle im Hausanschluss befindet.

Zur Durchführung einer Dichtheitsprüfung sind in der Regel keine Grabungen notwendig, die Überprüfung kann in fast allen Fällen von sogenannten Revisionsschächten oder einem anderen Zugang im Innern des Hauses aus durchgeführt werden. Bei diesen Revisionsschächten, die auch als Kontrollschächte bezeichnet werden, handelt es sich um Öffnungen, die zur Abwasserleitung führen. Diese dienen dazu, Reparationen und Überprüfungen des Abwassersystems zu vereinfachen. Diese befinden sich meistens im Keller des Hauses, manchmal auch außerhalb des Hauses.
Der Arbeitsaufwand, den die Dichtheitsprüfung dem Hausbesitzer verursacht, ist unterschiedlich und hängt  in erster Linie von der Zugänglichkeit der Revisionsschächte ab. Sollten diese frei zugänglich sein und nicht in der Nähe empfindlicher Gegenstände befinden, entsteht fast kein Arbeitsaufwand. Sollte beispielsweise ein Schrank über der Öffnung stehen, muss dieser entfernt werden. Ebenfalls sollten alle wasserempfindlichen Gegenstände aus der unmittelbaren Umgebung entfernt werden, da eventuell Wasser austreten kann.

Wenn der Hausanschluss undicht ist

Sollte die Überprüfung des Abwassersystems negativ ausfallen, ist der Hausbesitzer dazu verpflichtet, diese Mängel zu beseitigen. Die Maßnahmen, die zu ergreifen sind, hängen selbstverständlich vom festgestellten Schaden ab.

Die meisten Unternehmen, die Dichtheitsprüfung durchführen. bieten auch Sanierungen des Abwassersystems an. So kann das gleiche Unternehmen mit der Beseitigung des Schadens beauftragt werden.
Für viele Sanierungen ist es nicht notwendig, die Leitungen auszugraben. Es wird ein Schlauch in die Leitungen eingeführt, der an der Leitungswand aushärtet und so die undichten Stellen abdichtet. Mit dieser Methode können die Kosten deutlich reduziert werden. Der Aufwand, der die Dichtheitsprüfung mit sich bringt, ist zusammenfassend gesagt sehr überschaubar.

Häufige Gründe für undichte Stellen sind:

Baumwurzeln, die im Bereich der Abwasserleitung wachsen. Durch die große Kraft, die die Wurzeln ausüben, entstehen Risse in den Abwasserrohren. Weitere Gründe können Bauarbeiten in der unmittelbaren Umgebung sein. Allein die Erschütterung, die bei manchen Arbeiten entsteht, kann Rohre beschädigen, insbesondere wenn das Material bereits alt und ermüdet ist. Ein weitere Grund für undichte Stellen ist natürlich die Materialermüdung. Wenn es sich um Altbauten handelt, sind die Abwasserleitungen oft viele Jahrzehnte alt. Das Material wird brüchig und insbesondere an den Verbindungsstücken kann Abwasser austreten. Dennoch sind besonders Abwasseranlagen betroffen, die bis Mitte der 1970er Jahre errichtet worden sind. Dort bis dahin wurde eine Abwasserleitung bzw. die Muffen der damaligen Tonrohre mit Teerstricken abgedichtet und anschließend mit Teer vergossen. Im Laufe der nächsten Jahre haben sich die in der Abwasserleitung verwandten Teerstricke aufgelöst, so dass die Abwasserrohre konsequenterweise nicht mehr dicht sind und Wurzelwerk unweigerlich von dem Abwasser angezogen wird. Über Jahre hinweg verstopfen sodann die Wurzeln und das Erdreich die Abwasserleitung, so dass sich das Abwasser nicht nur in der Toilettenschüssel staut, sondern sich seinen Weg gar bis in die heimische Badewanne bahnt.

Nutzen der Dichtheitsprüfung

Abwasser, das aus einem undichten Rohr austritt, kann mehrere negative Folgen haben. Zu einem stellt es natürliche eine Umweltbelastung dar. Das Abwasser enthält einige Stoffe, die, wenn sie nicht durch eine Kläranlage beseitigt werden, negative Auswirkungen auf die Umwelt haben und kann das natürliche Gleichgewicht der Umgebung beeinträchtigen. Dies ist der Grund dafür, dass die Dichtigkeitsprüfung bald gesetzlich vorgeschrieben wird.

Ein anderer negative Effekt undichter Abwasserleitungen sind Aushöhlungen des Bodens. Das Wasser transportiert stets eine geringe Menge des ungebenden Erdreichs ab. Im Laufe der Jahre kann es so zu beträchtlichen Hohlräumen kommen, die in den meisten Fällen sogar die Bausubstanz gefährden können. Nur große Schäden machen sich direkt bemerkbar, indem sie beispielsweise eine Verstopfung verursachen. Daher ist es wichtig, durch regelmäßige Dichtigkeitsprüfungen das Abwassersystem zu überprüfen, um eventuelle Schäden rechtzeitig zu beheben.

Die Dichtheitsprüfung schützt die Umwelt und die“Unterwelt“

Dichtigkeitsprüfungen sind besonders wichtig, um Verunreinigungen des Grundwassers zu verhindern. Sollten Schadstoffe bis in das Grundwasser gelangen, kehrt das verunreinigte Wasser sogar ins Trinkwasser hinein. Durch die gezielte Dichtheitsprüfung kann also eine Belastung des Trinkwassers verhindert werden. Dies ist besonders wichtig, da dies ernsthafte Gesundheitsschäden zur Folge haben kann.

Ein weiteres Problem undichter Abwasserrohre kann der Zufluss von Wasser aus der Umgebung sein. Wasser, das eigentlich nicht für die Kanalisation bestimmt ist, kann so durch undichte Rohre in diese eindringen. Durch einen Dichtheitsprüfung kann dies verhindert werden. So trägt die Dichtigkeitsprüfung auch dazu bei, dass die Kläranlagen nicht durch eine große Wassermenge überlastet werden und so weniger effizient funktionieren.

Dichtigkeitsprüfungen haben also insbesondere einen positiven Effekt auf den Wasserkreislauf und auf die Umwelt. Für den Hausbesitzer dienen sie dazu, Schäden frühzeitig zu erkennen, um Diese schnell zu reparieren, damit keine weiteren Kosten entstehen.

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Prüfung mit Wasser

 

Dichtheitsprüfung mit Wasser: Verschiedene Methoden

Abwasseranlagen von Altbauten werden in der Regel mit Wasser auf ihre Dichtheit geprüft. Im Gegensatz zur Luftprüfung bietet der Check mit Wasser den Vorteil, dass gleich ein Urteil über den Grad der Undichtheit abgeben werden kann, wenn Mängel festgestellt werden. Diese Information ist für die Wahl des Sanierungsverfahrens.

Zwei Methoden werden eingesetzt: die sogenannte Wasserfüllstandsprüfung und die Wasserdruckprüfung.

Bei der Wasserfüllstandsprüfung sperrt der Sachkundige die Grundleitung mit einer Blase ab. Die Leitung wird anschließend bis zur Oberkante des tiefsten Entwässerungsgegenstandes z.B. einem Bodeneinlauf, oder bis zur Unterkante der Reinigungsöffnung in der Fallleitung mit Wasser aufgefüllt. Sinkt der Wasserstand z.B. im Bodenablauf ab, ist die Leitung undicht. Gewisse Wasserverluste sind erlaubt. Der Sachkundige füllt den Bodenablauf bis zum Ende der 15 min Prüfzeitraum immer wieder auf und misst die zugegebene Wassermenge. Das verbrauchte Volumen wird genau bemessen und dokumentiert. Wenn mehr Wasser als erlaubt zugegeben werden muss, ist die Dichtheitsprüfung nicht bestanden. Hausbesitzer können bei dieser Überprüfung durch die Beobachtung des Wasserspiegels selbst Anhaltspunkte über die Dichtheit ihrer Leitungen erhalten.

Als Alternative kommt die Wasserdruckprüfung zum Einsatz, bei der ein geringer Überdruck (50 cm über Rohrscheitel) aufgebaut wird.

Bei Neubauten und Abwasseranlagen in den Wasserschutzzonen I und II gelten höhere Anforderungen an die Prüfungen, z.B. an die Prüfzeit. Die im Allgemeinen ca. 15 Minuten dauern.

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Prüfung mit Luft:

 

Dichtheitsprüfung mit Luft: Einsatz in Neubauten

Die Luftprüfung kommt in erster Linie bei Neubauten zum Einsatz, da dort gute Absperrmöglichkeiten im Leitungsnetz vorhanden sind- älterem Gebäude bieten diese häufig nicht.

Hierbei werden die Abwasserleitungen an allen Einleitungsstellen abgedichtet und mit Luftdruck beaufschlagt. Im Gegensatz zur Prüfung mit Wasser beansprucht der Check mit weniger Undichtigkeit getroffen werden, da die Luft sehr schnell entweicht, wenn die Leitungen undicht sind. Zudem besteht die Gefahr eines fälschlicherweise negativen Testergebnisses, wenn die Dichtelemente z.B. durch Ablagerungen in den Leitungen nicht vollständig abdichten.

Der Sachkundige ermittelt u.a. in Abhängigkeit des Rohrdurchmessers die Prüfzeit und den zulässigen Druckverlust. Wenn der Druckverlust in einem bestimmten Zeitraum unterhalb des zulässigen Werts bleibt, ist das Grundleitungsnetz dicht.

Aus sicherheitstechnischen Bestimmungen werden Schächte und Inspektionöffnungen nur mit Wasser auf ihre Dichtheit überprüft.

Welche Kosten entstehen durch die Dichtheitsprüfung

Die Kosten  für Reinigung, TV-Inspektion und Dichtheitsprüfung sind abhängig von den Faktoren Leitungslänge, Rohrdurchmesser, Verzweigungsgrad unter der Bodenplatte, Zugangsmöglichkeiten für das Einbringen der Prüfgeräte, Anzahl der Einstiegsschächte und Reinigungsaufwand.

Je kürzer die Abwasserleitung ist und je weniger Abzweigungen sie aufweist, desto geringer sind die Kosten. Dichtigkeitsprüfungen, bei denen man die Abwasserleitung über einen Revisionschacht erreicht, sind günstiger als solche, bei denen dies nicht möglich ist.

Bei einer relativ kurzen Abwasserleitung, die weniger als 10 m lang ist, bei der keine Abzweigungen vorhanden sind und die über einen Kontrollschacht zu erreichen ist, ist die Überprüfung der Dichtigkeit günstiger als bei einer längeren Leitung von mehr als 15 m mit vielen Abzweigungen handeln, die über keinen Kontrollschacht verfügen, können sich die Kosten schnell vervielfachen, oder in seltenen Fällen sogar noch etwas mehr betragen.

 

Rechtliches zur Dichtheitsprüfung

 

Rechtliche Konsequenzen

Wer den Dichtigkeitsnachweis für sein Grundstück nicht termingerecht erbringt, muss mit Mahnschreiben rechnen, die den Eigentümer auffordern, die Prüfung binnen eines bestimmten Zeitraumes nachzuholen und den Nachweis zu erbringen.

 

Zwangsmaßnahmen

Eigentümer, die sich auch weiterhin nicht bemühen sollten, den Dichtigkeitsnachweis zu erbringen, müssen mit Bußgeldern und Zwangsmaßnahmen in Form einer vom Bauamt engagierten Firma, welche die Dichtigkeitsprüfung durchführt, rechnen.

 

Mögliches Strafverfahren

Wenn bei einem Zwangsprüfung ein Leitungsschaden festgestellt wird, kann zusätzlich zu einem Strafverfahren, wegen fahrlässiger Gewässerverunreinigung kommen:

§ 324 StGB Gewässerverunreinigung:

(1)    Wer unbefugt ein Gewässer verunreinigt oder sonst dessen Eigenschaften nachteilig verändert, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2)    Der Versuch ist strafbar
(3)    Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe  Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahre oder Geldstrafe